Die Logistikbranche gilt als pulsierendes Rückgrat unserer Wirtschaft – ein Sektor, der täglich dafür sorgt, dass Warenströme zwischen Produktion, Handel und Konsument zuverlässig fließen. Doch trotz dieser zentralen Rolle steht die Branche derzeit vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Im Jahr 2025 registrierte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) massive Insolvenzzahlen im Verkehrs- und Lagersektor: Insgesamt 2.907 Verfahren wurden im Verkehrs- und Lagerei-Bereich angemeldet, was in der Folge etwa 12.600 Arbeitsplätze gekostet hat. Damit setzt sich ein seit Monaten anhaltender Negativtrend fort, der vor allem kleinere Unternehmen trifft und die Beschäftigungssituation in der Branche spürbar verschlechtert.
Die Logistik, die vielfach durch kleine und mittelständische Speditionen und Transportbetriebe geprägt ist, sieht sich mit zahlreichen externen Belastungen konfrontiert. Die Insolvenzen betreffen überwiegend kleine Firmen, was die hohe Fragilität des Sektors unterstreicht: Schwankende Nachfragen, steigende Betriebskosten und wachsende regulatorische Anforderungen können bereits bei begrenzten Pufferkapazitäten das Aus bedeuten. Zugleich spiegeln die Zahlen des IWH eine breitere volkswirtschaftliche Entwicklung wider: Im Gesamtjahr 2025 erreichten Unternehmensinsolvenzen in Deutschland den höchsten Stand seit 2005 – mit rund 17.600 Fällen und etwa 170.000 betroffenen Arbeitsplätzen. Auch wenn der durchschnittliche Arbeitsplatzverlust pro Betrieb im Verkehrssektor vergleichsweise gering ist, summiert sich die Belastung für den gesamten Arbeitsmarkt.
Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind vielschichtig. Neben der unmittelbaren Beschäftigungskrise werfen häufige Betriebsaufgaben Fragen zur Versorgungssicherheit und Systemstabilität auf. In einer Branche, die auf Just-in-Time-Prozesse und enge Lieferketten angewiesen ist, können eng beieinanderliegende Insolvenzen von Transportdienstleistern zu Kettenreaktionen führen: Ein ausgefallenes Verbindungsglied im Netzwerk hat das Potenzial, Güterumschläge zu verzögern, Kapazitäten zu verknappen oder Kosten für verbleibende Akteure zu erhöhen.
Frühindikatoren und Perspektiven
Auch wenn akute Insolvenzzahlen belastend wirken, liefern Frühindikatoren des IWH Hinweise darauf, dass der Trend im ersten Quartal 2026 nicht zwangsläufig abflauen wird. Diese Frühindikatoren, die dem tatsächlichen Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen, deuten auf anhaltend hohe Belastungen im Verkehrs- und Logistiksektor hin.
Für Fachleute bedeutet dies: Neben kurzfristiger Krisenbewältigung rückt die Frage strategischer Resilienz stärker in den Fokus. Logistikdienstleister müssen ihre Geschäftsmodelle kritisch hinterfragen, Flexibilitätsreserven aufbauen und digitale wie organisatorische Effizienzpotentiale heben, um in einem zunehmend volatilen Marktumfeld zu bestehen. Denn nur mit einer robusten Struktur lässt sich die Zukunft meistern – und die Logistik als Bindeglied zwischen Produktion und Konsument auch in herausfordernden Zeiten auf stabile Beine stellen.
Quelle: eurotransport