Lange Zeit galten batterieelektrische Lkw vor allem als Zukunftstechnologie. Inzwischen zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass sie in vielen Bereichen der Logistik den Schritt aus der Testphase in den Regelbetrieb geschafft haben. Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Entwicklung der Fahrzeuge, sondern vor allem die Frage, wie sie sich unter realen Einsatzbedingungen bewähren.
Genau hier setzt eine Auswertung von Mercedes-Benz Trucks an. Das Unternehmen hat den Einsatz batterieelektrischer Lkw in der eigenen Lieferkette untersucht und dabei Daten aus mehreren Monaten des Alltagsbetriebs analysiert. Im Fokus standen mehr als 3.000 Touren und rund 3.100 Ladevorgänge. Das Ergebnis: Der elektrische Anlieferverkehr lässt sich bereits heute zuverlässig in den regulären Produktionsbetrieb integrieren.
Aktuell kommen im Produktionsnetzwerk des Herstellers rund 80 batterieelektrische Fahrzeuge zum Einsatz, überwiegend vom Typ eActros 600. Bereits rund 30 Prozent der Inbound-Routen zum Werk in Wörth am Rhein werden mit Elektro-Lkw bedient. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass anspruchsvolle Transportaufgaben durchaus elektrisch bewältigt werden können – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen.
Ein Beispiel liefert die Spedition Seifert. Auf der Strecke zwischen Wörth am Rhein und Bielefeld absolviert ein eActros 600 mit einem durchschnittlichen Gesamtzuggewicht von 36 Tonnen täglich rund 600 Kilometer. Etwa jeder zweite Ladevorgang erfolgt dabei an öffentlichen Ladepunkten. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von einer Mautersparnis von über 4.000 Euro pro Monat. Nach Angaben von Mercedes-Benz erfolgt das Laden zudem während der Be- und Entladezeiten, sodass keine zusätzlichen Standzeiten entstehen.
Ladeinfrastruktur bleibt der Schlüssel zur erfolgreichen Transformation
So positiv die Praxisergebnisse auch ausfallen, eines wird ebenso deutlich: Ohne eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur lässt sich die Elektrifizierung der Logistik nicht flächendeckend umsetzen. Mercedes-Benz Trucks sieht deshalb drei zentrale Bausteine für den weiteren Ausbau: das Laden an Werken und Depots, öffentliche Ladepunkte entlang wichtiger Transportachsen sowie Ladeangebote bei Kunden und Partnern innerhalb der Lieferkette.
Die bisherigen Erfahrungen machen jedoch Mut. Viele Transportaufgaben lassen sich bereits mit der heute verfügbaren Infrastruktur zuverlässig planen und wirtschaftlich durchführen. Gleichzeitig zeigt der Praxisbetrieb, dass batterieelektrische Lkw nicht mehr ausschließlich für Pilotprojekte geeignet sind. Vielmehr entwickeln sie sich zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Transportkonzepte. Damit rückt die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs ein gutes Stück näher – auch wenn der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur eine der wichtigsten Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg bleibt.
Quelle: Verkehrsrundschau