Roboter gehören in vielen Lagern längst zum Alltag. Sie transportieren Behälter, bewegen Waren oder unterstützen bei der Kommissionierung. Die meisten Systeme sind allerdings für klar definierte Aufgaben und Umgebungen konstruiert. Humanoide Roboter versprechen einen anderen Ansatz: Sie sollen dort arbeiten können, wo Arbeitsplätze und Prozesse ursprünglich für Menschen geschaffen wurden.
Wie realistisch das ist, hat das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML untersucht. Eine Marktanalyse identifizierte rund 80 unterschiedliche humanoide Robotersysteme. Noch befindet sich die Technologie allerdings in einer frühen Entwicklungsphase.
Ihr möglicher Vorteil liegt in ihrer Flexibilität. Statt ein Lager für eine bestimmte Automatisierungslösung umzubauen, könnten humanoide Roboter theoretisch vorhandene Arbeitsumgebungen nutzen. Türen, Regale, Treppen oder Arbeitsflächen sind schließlich auf den menschlichen Körper ausgelegt. Ein Roboter mit ähnlicher Beweglichkeit könnte sich leichter in bestehende Prozesse integrieren.
Das Interesse der Branche ist entsprechend groß. Rund drei Viertel der vom Fraunhofer IML befragten Unternehmen erwarten, dass humanoide Roboter innerhalb der nächsten zehn Jahre produktiv eingesetzt werden.
Ergänzung statt Ersatz
Von der Vorstellung einer Lagerhalle voller menschenähnlicher Maschinen ist die Logistik dennoch ein gutes Stück entfernt. Technische Fähigkeiten, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit müssen sich im praktischen Einsatz erst beweisen.
Auch die befragten Unternehmen sehen humanoide Roboter nicht in erster Linie als Ersatz für Beschäftigte. Interessanter ist ihre mögliche Rolle als flexible Automatisierungslösung, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen und Menschen bei körperlich belastenden oder wiederkehrenden Tätigkeiten unterstützen kann.
Hinzu kommt eine strategische Frage. Der Markt wird derzeit überwiegend von außereuropäischen Anbietern geprägt. Das Fraunhofer IML sieht deshalb Bedarf an Investitionen, offenen Standards und geeigneten Testfeldern. Auch Sicherheitsstandards für Arbeitsbereiche, in denen Menschen und humanoide Roboter gemeinsam tätig sind, müssen weiterentwickelt werden.
Ob der humanoide Kollege also tatsächlich bald durchs Lager läuft, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Für die Logistik könnte gerade seine Vielseitigkeit interessant werden – vor allem dort, wo klassische, auf eine einzelne Aufgabe zugeschnittene Automatisierung an Grenzen stößt.
Quelle: Fraunhofer IML