Die Logistikbranche steht unter Druck. Steigende Energiekosten, strengere Klimaziele und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen treiben Unternehmen dazu, neue Wege zu suchen. Während Photovoltaik auf Lagerhallen inzwischen fast schon zum gewohnten Bild gehört, rückt nun ein anderer Bereich in den Fokus: Solarmodule direkt auf Lkw und Anhängern.
Was lange nach Zukunftsmusik klang, könnte sich schneller als gedacht als praktikable Ergänzung im Transportalltag etablieren. Das europäische Forschungsprojekt „SolarMoves“, an dem unter anderem das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE beteiligt war, hat untersucht, welches Potenzial sogenannte „Vehicle Integrated Photovoltaics“ (VIPV) tatsächlich bieten. Die Ergebnisse lassen aufhorchen – besonders für die Logistik.
Vor allem Nutzfahrzeuge bringen ideale Voraussetzungen mit. Lieferwagen, Trailer und Lastzüge verfügen über große Dachflächen, gleichzeitig steigt ihr Energiebedarf stetig. Kühlaggregate, Heizungen, Klimaanlagen oder Hydrauliksysteme benötigen erheliche Mengen Strom oder Kraftstoff. Genau hier setzen integrierte Solarmodule an.
Im Rahmen der Studie wurden Daten von 23 unterschiedlichen Fahrzeugtypen ausgewertet. Die Forscher analysierten dafür mehr als 1,3 Millionen gefahrene Kilometer und kombinierten die Messwerte mit Satelliten- und Wetterdaten. Das Ziel: möglichst realistische Aussagen über den Nutzen von Solarenergie im Fahrzeugbetrieb.
Besonders interessant für die Transportbranche ist das Ergebnis bei Elektro-Lkw. Laut Studie könnte sich die tägliche Reichweite durch integrierte Solarmodule um bis zu 15 Prozent erhöhen. Das klingt zunächst überschaubar, kann im Alltag aber entscheidende Unterschiede machen – etwa bei Lieferfenstern, Zwischenladungen oder Tourenplanung.
Noch spannender wird es bei Anhängern. Im Sommer seien laut den Forschern Energieerträge von bis zu 55 Kilowattstunden pro Tag möglich. Werden zusätzlich die Seitenflächen mit Solarmodulen ausgestattet, könnten sogar 90 bis 110 Kilowattstunden erzeugt werden.
Weniger Diesel, geringere Betriebskosten
Damit ließen sich Kühl- oder Hydrauliksysteme teilweise oder sogar vollständig emissionsfrei betreiben. Auch klassische Diesel-Lkw profitieren davon. Wenn Nebenaggregate ihren Energiebedarf nicht mehr ausschließlich aus dem Tank decken müssen, sinkt der Kraftstoffverbrauch – und damit auch die Betriebskosten.
Gerade in der Logistik, wo Margen häufig unter Druck stehen, könnten solche Einsparungen schnell relevant werden. Hinzu kommt: Laut den Projektpartnern könnten sich die Investitionskosten für die Solartechnik bereits innerhalb von weniger als zwei Jahren amortisieren.
Neben den wirtschaftlichen Vorteilen sehen die Forscher auch positive Auswirkungen auf das Stromnetz und die Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Denn jede Kilowattstunde, die direkt am Fahrzeug erzeugt wird, muss nicht zusätzlich aus dem Netz bezogen werden.
Die Technik allein wird die Herausforderungen der Verkehrswende zwar nicht lösen. Doch die Studie zeigt deutlich: Die Kombination aus Elektromobilität und integrierter Solarenergie könnte für die Logistik ein Baustein sein, der mehr bewegt, als viele bislang vermutet haben.
Quelle: Verkehrsrundschau