Der Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoff-Infrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge nimmt in Deutschland Fahrt auf. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) zieht eine positive Zwischenbilanz seines Anfang 2026 gestarteten Förderaufrufs und sieht darin einen wichtigen Schritt, um den Einsatz wasserstoffbetriebener Lkw langfristig voranzubringen. Die hohe Zahl der eingegangenen Anträge zeigt, dass das Thema in der Branche auf großes Interesse stößt.
Bis zum Ende der Antragsfrist am 30. Juni 2026 wurden insgesamt 526 Förderanträge eingereicht. Das beantragte Fördervolumen beläuft sich auf rund 455 Millionen Euro. Davon entfallen 71 Anträge auf den Aufbau von Wasserstofftankstellen und 455 Anträge auf Fahrzeuge beziehungsweise Fahrzeugflotten. Für das Förderprogramm stellt das BMV insgesamt 220 Millionen Euro bereit.
Mit dem Vorhaben verfolgt das Ministerium einen kombinierten Ansatz: Nicht nur die notwendige Tankstelleninfrastruktur soll entstehen, sondern gleichzeitig auch die Zahl der wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeuge wachsen. Genau diese Verbindung könnte dazu beitragen, ein zentrales Hindernis beim Markthochlauf zu überwinden. Schließlich stehen Infrastruktur und Fahrzeugbestand seit Jahren in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis – ohne Tankstellen fehlen Fahrzeuge, ohne Fahrzeuge lohnt sich der Ausbau der Tankstellen kaum.
Die große Resonanz wertet das Ministerium als Signal dafür, dass Wasserstoff im schweren Straßengüterverkehr neben der Elektromobilität als ernstzunehmende Alternative betrachtet wird. Dass sich auch führende Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge an dem Förderaufruf beteiligen, unterstreicht nach Einschätzung des BMV die industriepolitische Bedeutung des Programms.
Ein möglicher Meilenstein für die Logistik
Auch der Nationale Wasserstoffrat (NWR) misst dem Förderprogramm eine hohe Bedeutung bei. In einem aktuellen Informations- und Grundlagenpapier bezeichnet das Gremium den Förderaufruf als möglichen entscheidenden Impuls für den Markthochlauf der Wasserstoffmobilität. Auf dieser Grundlage könnte bis etwa 2030 ein erstes Grundnetz an Wasserstofftankstellen entstehen. Der NWR hält unter diesen Voraussetzungen sogar eine Flotte von mehreren tausend Wasserstoff-Lkw bis zum Ende des Jahrzehnts für realistisch.
Welche Projekte letztlich umgesetzt werden, entscheidet ein wettbewerbliches Auswahlverfahren anhand zuvor festgelegter Kriterien. Die priorisierten Anträge sollen nach Angaben des Bundesministeriums in der zweiten Jahreshälfte bewilligt werden.
Für die Logistik könnte das Förderprogramm damit weit mehr sein als eine reine Investition in neue Technik. Gelingt es, Infrastruktur und Fahrzeuge parallel auf den Weg zu bringen, könnte dies den Ausbau klimafreundlicher Antriebskonzepte im Schwerlastverkehr spürbar beschleunigen und den Wasserstoff als ergänzende Lösung neben batterieelektrischen Fahrzeugen weiter etablieren.
Quelle: logistik heute